Die kleine und die grosse Geschichte

Im vergangenen Jahr habe ich mich entschieden, für unsere Kinder meine Familiengeschichte aufzuschreiben. Ich habe bald gemerkt: Das mit dem Erinnern und dem Erzählen ist so eine Sache. Das Erzählen der Lebensgeschichte ist ja nicht nur eine Aufreihung von Fakten aus der Vergangenheit. Es ist immer auch schon Auswahl, Darstellung und Deutung.

Es ist doch so: An manches erinnere ich mich gerne, an anderes weniger gerne. Manches erzähle ich mit einem Strahlen auf dem Gesicht, manches vielleicht mit einer Träne im Auge oder gar mit einer Wut im Bauch. Manches erzähle ich gerne zehn- und zwanzigmal und anderes verschweige ich lieber. Und so baue ich aus den (oft unbewusst) ausgewählten Erinnerungsbruchstücken meines Lebens meine Lebensgeschichte.

Provokativ schreibt Max Frisch im Roman Mein Name sei Gantenbein: «Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält.» So weit würden wir wohl nicht gehen wollen. Aber ein wenig hat er doch recht?!  Weiterlesen