Die kommunikative Funktion der Aggression

Zum Buch von Joachim Bauer „Schmerzgrenze – Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt“

Drei Erwachsene prügeln in einem Schwimmbad auf einen Teenager ein. Neonazis jagen Migranten durch die Strassen und schlagen sie zusammen. Auf dem Tahir-Platz kommt es wieder zu brutalen Gewaltszenen. Amoklauf in einer Schule. In der U-Bahn wird ein Mensch zu Tode geprügelt. Giftgasangriff in Syrien. Gewaltausbruch in Nordirland zwischen Katholiken und Protestanten. Brutale Schläge hinter den Mauern eines schönen Eigenheims.

Von wegen Aggressionstrieb

„Wie konnte es nur so weit kommen?“ lautet die immer wiederkehrende Frage. Was sind die Ursachen der Gewalt? Traumatisiert durch den Verlust von zwei Söhnen im Ersten Weltkrieg konnte Freud sich die Kriegsgräuel nur damit erklären, dass dem Mensch naturgemäss eine Lust am Töten, an der Zerstörung und der Aggression innewohne. Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz entdeckte in Freuds These eine Parallele zu dem von ihm beobachteten „auf den Artgenossen gerichteten Kampftrieb von Tier und Mensch“ und beschrieb Mitte der 60er Jahre den Freud’schen Aggressionstrieb als primären Instinkt des Menschen. Der Steinzeitmensch habe durch sein aggressives blutrünstiges Jagdverhalten überlebt. Und seine sozialen Bindungen beruhten auf einer gegen einen gemeinsamen Feind gerichteten Aggression. Evolutionär habe der Mensch sich so eine biologisch verankerte Lust an Gewalt und eine Liebe zum Krieg erworben. Weiterlesen

Hören-verstehen-tun

BibellesenIch staune immer wieder über die Jünger Jesu. In vielen Episoden berichten die Evangelien von ihrem Prozess der Nachfolge. Mir kommt es bei den Geschichten mehr als einmal so vor, als seien sie nicht immer die schnellsten, wenn es darum geht, etwas zu verstehen. Gerade ihnen erklärt Jesus sehr oft, was sie zuvor bei einer seiner Reden an die Menschen gehört, aber nicht verstanden haben. Da finde ich mich wieder: mir begegnen beim sonntäglichen Predigthören, beim eigenen Bibellesen auch wichtige Begriffe, Aussagen, Stichworte. Vieles klingt einleuchtend und überzeugend. Aber wenn ich dann kritisch anschaue, was ich davon verstanden habe und im Alltag umsetze – naja, dann bräuchte ich wohl auch noch eine „Zusatzerklärung“…. Oder mindestens eine Ermutigung, damit ich tue, was ich doch eigentlich verstanden habe.

Im Matthäusevangelium, Kapitel 13 stosse ich auf solch eine Situation, wenn Jesus den Jüngern erklärt, was er in einem Gleichnis zuvor gepredigt hatte. Unter anderem heisst es da:

„Wenn jemand das Wort…hört und nicht versteht, kommt der Böse und reisst hinweg, was in sein Herz gesät ist…“ V. 19

„Bei dem aber auf gutes Land gesät ist, das ist, der das Wort hört und versteht und dann auch Frucht bringt…“  V. 23

Das weckt meine Neugierde. Laut Jesus ist also der Dreiklang von „hören-verstehen-tun“ eine wichtige Abfolge, um Frucht zu bringen. Zum Verstehen gehört das verstandesgemässe Erfassen; aber auch das Einsehen; die Bereitschaft zur Veränderung des bisherigen Standpunktes; die Bereitschaft voneinander zu lernen. Weiterlesen