Der Regenbogen und Gottes Meinungsumschwung

MINOLTA DIGITAL CAMERAVergangene Woche war über dem Bienenberg dieser prächtige Regenbogen zu sehen. Unweigerlich musste ich dabei an die biblische Erzählung von Noah und der grossen Flut denken (Gen 6-9). Eine Geschichte, die in verschiedener Weise zu irritieren vermag.

Gott hat genug

Der Erzähler lässt uns gewissermassen mit Gott einen Blick auf die Erde werfen. Was wir sehen, ist nicht schön. Wurde die Schöpfung einst als harmonisches Kunstwerk geschaffen, ist die Erde nun voller Bosheit und Gewalt. „Was ist bloss aus meiner Welt geworden?“, fragt sich Gott. Die zerstörerische Kraft des Bösen hat seine Welt kaputt gemacht. Es lohnt sich nicht, sie länger am Leben zu erhalten. Hatte der Schöpfer einst das Wasser von der Erde getrennt und damit Leben ermöglicht, zieht er jetzt seine ordnende Hand zurück und gibt das Wasser frei. Eine harte, aber nachvollziehbare Entscheidung, beenden doch auch wir Projekte, die unsere Erwartungen nicht erfüllen. „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“, sagen wir dann. Im Kern können wir die Reaktion Gottes daher nachvollziehen. Was uns stört, ist wahrscheinlich eher, dass Gott hier so menschlich reagiert. Aber wer sind wir, dass wir Gott vorschreiben könnten, was er zu tun und lassen hat? Weiterlesen

Das Ärgernis des Christentums – und wie wir damit umgehen

Seit dem ich an jenem Sonntag am Schweizer Fernsehen die Sendung „Sternstunde Philosophie“ mit dem religions- und christentumskritischen Philosophen Herbert Schnädelbach gesehen hatte, treiben mich folgende Gedanken um.

Im Interview wurde kurz auf Schnädelbachs Thesen „Das Fluch des Christentums: Die sieben Geburtsfehler einer alt gewordenen Weltreligion“ verwiesen (Zeit Online, 11. Mai 2000 http://www.zeit.de/2000/20/200020.christentum_.xml). In dieser beissenden Demontage des Christentums benennt Schnädelbach sieben katastrophale Fehlleistungen des Christentums:

  1. Das destruktive Menschenbild, welches durch die Erbsündenlehre vermittelt wird.
  2. Die Rechtfertigung des Sünders als ein blutiger Rechtshandel Gottes.
  3. Mission und der Absolutheitsanspruch.
  4. Der Antijudaismus.
  5. Die apokalyptische Eschatologie mit ihrer Angstmacherei vor der Hölle
  6. Der Leib-Seele-Dualismus (und damit die Leibfeindlichkeit)durch den importierten Platonismus
  7. Die strategische Verbreitung historischer Unwahrheiten (schon im NT)

Schnädelbach formuliert seine Thesen „im Gegenzug zu den ‚sieben Todsünden’“, welche von der katholischen Kirche benannt werden und nennt sie provozierend „sieben Geburtsfehler des Christentums“. Er ist der Überzeugung, dass das Christum diese Defizite „gar nicht beheben kann, weil dies bedeutete, sich selbst aufzuheben“. Und er zieht die Schlussfolgerung: „Vielleicht aber ist diese Selbstaufgabe der letzte segensreiche Dienst, den das Christentum unserer Kultur nach 2000 Jahren zu leisten vermöchte; wir könnten es dann in Frieden ziehen lassen.“ Denn, so Schnädelbachs Fazit: „Erst in seinem Verlöschen könnte sich der Fluch des Christentums doch noch in Segen verwandeln.“  Weiterlesen