Mehr als Sterben – Gedanken zu Karfreitag

Kreuz01Die Karwoche steht vor der Tür. Damit rücken Leiden und Sterben Jesu ins Zentrum vieler Gottesdienste. Der Tod Jesu „für uns“ wird in der christlichen Tradition jedoch weit über die Passionszeit hinaus verkündigt. Oft geschieht dies in einem theologischen Denksystem, das den Eindruck erweckt: Jesus wurde lediglich geboren, um zu sterben. Diese Reduktion halte ich nicht für biblisch. Denn in den Evangelien gehört Jesu Tod untrennbar zu seinem Leben. Beispielhaft will ich dies am Bericht des Evangelisten Lukas illustrieren.

Es sind zunächst die „führenden Männer des Volkes“, die mit beissendem Spott an das Leben Jesu erinnern (Lk 23,35). Daran, wie Jesus Menschen geholfen hat. Sie geheilt und zurück ins Leben geführt hat. Daran, dass er schon zu Lebzeiten (!) Menschen die Sünden vergab (Lk 5,20; 7,48) und sich als Gesandter Gottes verstand. Seine Kritiker haben ihm nie geglaubt – und das Kreuz scheint ihnen Recht zu geben. Doch der Verspottete bleibt nicht passiv. Er betet: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34). Mit diesen Worten knüpft Jesus nahtlos an seiner Botschaft der Feindesliebe an (Lk 6,27f.). Wie während seines ganzen Lebens, rechnet Jesus auch in seinem Sterben mit Gottes Liebe und Barmherzigkeit. Nicht nur für das eigene Leben, sondern auch für jenes seiner Peiniger.  Weiterlesen