Notfallprogramm abschalten

Oder: Was tun mit der Angst-Spannung?

Aktuelle Nachrichten zu lesen finde ich zurzeit extrem anstrengend. „Die Entwicklungen machen mir Angst“, sagte mir jemand und sprach mir aus der Seele. Ich schaue meine Facebook-Seite an und sehe, wie die Spannung auch dort angekommen ist. Bin ich nun „Charlie“ oder nicht? (siehe anabaptistwitness.org) Muss aus Angst vor Islamisierung jetzt mal auf den Tisch gehauen werden? Es sind inzwischen zu viele Themen, als dass ich sie alle im Detail verfolgen könnte: Terror und Terrordrohung im Nahe Osten, Nigeria, Kamerun und Europa; Krieg in der Ostukraine; Demonstrationen gegen Hass, Gewalt und Flüchtlinge in Deutschland, die Euro-Krise und das Franken-Problem – um nur einige Themen zu nennen.

Man spürt regelrecht, dass viele Menschen Sorge haben, ihr gewohntes Leben zu verlieren. Sie wollen einen Ort haben, wo sie sich zu Haus fühlen können. Wenn das aber bedroht wird, steigt die „Angst-Spannung“.

Angst führt bei einzelnen Menschen genauso wie bei Gruppen zu ganz ähnlichen Reaktionen: Zu Flucht, Angriff oder Erstarrung. Diese Notprogramme des Hirnstammes laufen dann an, wenn die Teile des Gehirns, die für eine reflektierte Bewertung der Situation zuständig sind, nicht mehr erreichbar sind. Ist die Angst zu groß, werden die Schotten dicht gemacht und die Reflexe des Hirnstamms übernehmen. Weiterlesen

Simson – ein (un-) biblischer Selbstmordattentäter

refuse-to-be-enemiesManchmal höre ich morgens im Radio zu, wenn im SWR 1 die Morgenandacht kommt. Besonders gut gefällt mir, was Frau Dr. Lucie Panzer, Ev. Kirche Stuttgart, meist brillant auf den Punkt bringt. Einmal bezog sie sich auf Simson, den biblischen Kraftprotz. Ihre Gedanken brachten mich ins Nachdenken. Sie verglich Simson mit modernen Selbstmordattentätern und stellte Überlegungen an, wie jemand auf eine solch gewaltvolle Tat kommen kann.

Im Buch Richter, den Kapiteln 13-16, wird Simsons Geschichte erzählt. Die Erzähler beschönigen nichts: weder den jahrzehntelangen Streit zwischen Simsons Volk und ihren Nachbarn, die Überfälle und darauffolgenden Racheakte noch die Grausamkeiten, wenn Olivenhaine und Brunnen zerstört wurden und auch nicht das Unrecht, das geschah und den Hass auf beiden Seiten schürte. Beinahe 3000 Jahre ist das nun her. Leider gehören solche Erzählungen noch immer nicht zur Vergangenheit. Ähnliches geschieht auch heute noch Weiterlesen