Vom Unterschied zwischen „Toten“ und „unschuldigen Opfern“

Da lese ich es schon wieder! Und im Radio höre ich es. Und im Fernsehen. „Unschuldige Menschen werden wie Hühner geschlachtet.“Immer wieder wird der Tod von unschuldigen Menschen und unschuldigen Opfern beklagt. In der Tat. Das ist auch zu beklagen – und mehr als das. Es schreit zum Himmel, was hier und dort geschieht. Und ich bin mir bewusst wie heikel es ist, die Berichterstattung über den gewaltsamen Tod und das Leid von Menschen in irgendeiner Weise zu kommentieren. Doch mir stösst die Rede von „unschuldigen Menschen“ und „unschuldigen Opfern“ sauer auf. Ich kann es nicht mehr hören. Denn offenbar gibt es einerseits Tote zu beklagen. Und andererseits gibt es unschuldige Menschen, die der Gewalt zum Opfer fallen.

Was genau macht die einen denn zu „Toten“ und die anderen zu „unschuldigen Opfern“? Tote sind augenscheinlich vor allem Soldaten, besser gesagt Menschen, die in Kampfhandlungen verwickelt sind. Unschuldige Opfer hingegen sind offenbar Menschen, die nicht aktiv an dem Geschehen beteiligt waren oder sich nicht entsprechend wehren konnten. Was soll eine derartige Unterscheidung uns sagen? Warum sollte man Menschen so einteilen? Soll ich etwa daraus schliessen, dass ein mit Waffen kämpfender Mensch schuldig ist? Und Zivilisten unschuldig, weil sie keine Waffen tragen?

Soldaten sind Menschen. So genannte Terroristen sind Menschen. Zivilisten sind Menschen. Wie auch immer sie ums Leben kamen – es sind Tote! Theologisch gesprochen Ebenbilder Gottes. Ob durch Maschinengewehr, Granaten, Raketen, Drohnen oder Messer getötet. Sie sind Opfer! Ob es ein Befehl war, Rache, kaltes Kalkül oder „Kollateralschaden“ – sie sind Opfer! Jede und jeder Einzelne ein getötetes Ebenbild Gottes. Und jedes einzelne Opfer ist zu beklagen. Weiterlesen