„Rock on“

rock-onIch bin das erste Mal auf dem mennonitischen Weltkongress. Es war spannend zu sehen, wie Menschen aus aller Welt ihren Glauben leben und ausdrücken. Eindrücklich war der Vortrag von Bruxy Cavey, Pastor aus Kanada. Er hat auf den Punkt gebracht, warum Mennoniten sich als eine Friedenskirche sehen, deren zentraler Wert es ist, Kirche für andere zu sein: Als Jesus die Frage nach dem höchsten Gebot beantwortet, setzt er dem Gebot, Gott zu lieben, noch das Gebot hinzu, den Nächsten zu lieben.

„Es ist, als ob Gott gewusst hätte, dass der religiöse Reflex der Person, mit der er sprach – der in uns allen steckt, so aussieht, dass wir Gott so sehr in den Blick nehmen, dass wir dies als eine Ausrede benutzen, die Menschen um uns herum nicht zu lieben. … Wir können die Liebe Gottes als Ausrede für alles Mögliche benutzen: Um uns und andere in die Luft zu jagen aus Liebe zu Gott, um andere zu foltern, uns in Kriege zu stürzen, … wir können uns so sehr auf Gott konzentrieren, dass es einfach richtiger erscheint, die Menschen um uns herum zu ignorieren. Es ist auch schwer gegen ‚mehr Zeit mit Gott‘, ‚mehr Gebet‘ und ‚mehr persönliches Bibelstudium‘ zu argumentieren – es scheint einfach so heilig! … Aber Jesus sagt: Ich lass euch damit nicht durchkommen: Ihr sollt Gott lieben UND euren Nächsten wie euch selbst. Und wenn du das Eine nicht tust, belügst du dich selbst was das Andere angeht.

Liebe ist nicht nur ‚keine schlechten Dinge tun‘. Liebe ergreift die Initiative, anderen Gutes zu tun. … Liebe ist mehr als nur nett sein.“ Cavey erzählt dann von einem Gespräch mit seinen Töchtern: „Da lag ein großer Stein und ich sagte: ‚Seht ihr diesen Stein? Liebt der irgendjemanden?‘ ‚Nein, Steine können nicht lieben!‘, antworteten sie. ‚Aber, tut er irgendjemandem etwas Böses?‘ – Der Stein liegt einfach da. Steine tun nichts Böses. Es ist nur, sie tun auch nichts Gutes.“ Und ein paar Lichter gingen meinen Mädchen auf, dass Liebe nicht nur bedeutet, das Schlechte zu meiden, sondern die Initiative zu ergreifen und über die Ethik eines Steins hinauszugehen (wörtlich: „go beyond the ethic of a rock“). In diesem Sommer wurde deswegen folgender Satz zu unserm Familienmotto: ‚Rock on! – Go beyond the ethic of a rock!'“

Ich möchte mehr sein, als ein Stein, der sich von der Liebe Gottes erwärmen lässt, der aber selbst nichts für andere tut. Gottes Liebe und die Liebe zu Gott, macht lebendig und aktiv – für den Nächsten. Damals fragten die Menschen Jesus: „Wer ist denn mein Nächster?“ Und auch wenn ich die Geschichte des „Barmherzigen Samariters“ schon zig Mal gehört habe: Ich merke, dass dich diese Frage immer mal wieder stellen muss. Manchmal ist es ein Verletzter am Straßenrand. Manchmal ist es eines meiner Kinder, das meine Zeit und Aufmerksamkeit benötigt. Indem, was ich tue, zeigt sich meine Liebe zu Gott. Und das bedeutet für mich: Rock on! Go beyond the ethic of a rock!

Marcus Weiand