Was Denken mit Menschsein zu hat – oder auch nicht

„Was ist der Mensch“? heisst es staunend im Psalm 8. Vor 400 Jahren unterschied John Locke als erster zwischen der Spezies Mensch als Lebewesen und Person – und beschrieb die Person als denkendes, verständiges Wesen, das Vernunft und Überlegung besitzt, das ein Bewusstsein hat und denken kann. Andere sagen heute: das Lebewesen Mensch ist nur dann eine Person, wenn es Interessen hat und diese abwägen und vertreten kann. Person ist ein Mensch nur insoweit, als er oder sie in der Lage ist, willentlich ein bestimmtes Ziel zu erreichen, vernünftige Gründe dafür zu benennen und abzuwägen und sich bewusst zwischen Alternativen entscheiden zu können. (Peter Singer, Präferenz-Utilitarismus) Dazu passt, dass Unabhängigkeit (Autonomie/Freiheit) und Leistung heute verstanden werden als entscheidende Faktoren für ein menschenwürdiges selbstbestimmten Leben und für Lebensqualität. Dieses Verständnis beeinflusst auch das gesellschaftliche Leitbild im Blick auf Menschen mit Demenz, Behinderungen, oder in der Diskussion um Embryonenforschung, vorgeburtliches Leben und Abtreibung oder Koma-Patienten. Denn wenn ein Mensch kein Mensch (mehr) ist, weil er oder sie keine intellektuellen Fähigkeiten, keine Leistungsfähigkeit besitzt und nicht – oder nicht mehr- selbstbestimmt leben kann, dann überrascht es nicht wirklich, wenn heute manche Bioethiker bei Nicht-Vorhandensein dieser Merkmale von „nichtpersonalen Menschen, deren Auslöschung ethisch gerechtfertigt sei“ sprechen. Weiterlesen