Von Lichterorgien, dem Glanz auf dem verfluchten Acker und den Waffen des Lichts

lampeEhrlich gesagt, mir wird das langsam zu viel. Mir gehen sie auf die Nerven. Seit Wochen diese Lichter überall. Aufdringlich leuchtet und blinkt es. Blau. Grün. Rot. Weiss. Kalt weiss. Quadratmeterweise Lichterorgien. Und jetzt auch noch ganze illuminierte Gebilde und Szenen im Vorgarten. Die Globalisierung macht noch nicht mal vor Rentieren halt. Den vor Jahren erstmals entdeckten, sich an der Wand hochziehenden, Nikolaus fand ich noch lustig. Mittlerweile öden diese strangulierten Kerle mich an, selbst wenn sie beleuchtet sind. Und dann auch noch diese Absurdität auf einem Hausdach: Eine meterhohe Konstruktion lässt einen Engel 24 Stunden pro Tag schwebend rotieren – nachts natürlich beleuchtet. Mir wird schwindelig! Vorbei sind die Zeiten, in denen ein paar schimmernde Kerzen oder Lichter hier und dort einen heimeligen Glanz in die Dunkelheit zauberten. Es funkelt nichts mehr. Es blinkt nur noch. Mit Licht protzen ist angesagt. Gibt es da irgend einen Lichter-Wettbewerb den ich nicht kenne? Oder zahlen die Stromversorger neuerdings Prämien für die verwendete Anzahl von Glühbirnchen? Müsste man nächstes Jahr vielleicht eine „Aktion Lichterfasten“ starten? Oder eine AUA-Kampagne: „Artgerechter Umgang mit dem Advent“? Oder ein Projekt „Dunkle Nacht – himmlische Nacht“?

Dabei hat die Sache mit dem Licht ja eigentlich etwas. Es macht die Nacht zum Tag. Nicht künstlich, sondern in echt. Naturwissenschaftlich gesehen ist Finsternis die Abwesenheit von Licht. Gegen das Licht ist die Finsternis machtlos. Diese simple Feststellung fasziniert mich. Selbst ein Glühwürmchen ist ein Angriff auf die Finsternis – von einer Kerze ganz zu schweigen.  Weiterlesen