Migrationsgeschichten von damals und heute

Oder: Was das Schweizer Emmental mit Mexiko, Syrien und Eritrea zu tun hat

schniggenen

Hof Schniggenen bei Brenzikofen, Aufenthaltsort eines Zweiges der täuferischen Burkhalter-Familie mit zahlreichen Nachkommen in Europa und Nordamerika

Auf unserer Bienenberg-Website und in unserer Werbung sagen und schreiben wir es immer wieder: Der Bienenberg ist ein idealer Ausgangspunkt für eine Vielfalt von Exkursionen zu Schauplätzen täuferisch-mennonitischer Geschichte und Gegenwart:

  • In wenig mehr als einer Stunde sind die meisten zentralen Stätten täuferischer Geschichte in der Schweiz, im Elsass und in Süddeutschland per Auto oder öffentlichem Verkehr erreichbar.
  • Ein eigenes Hotel und Restaurant garantieren optimale Unterkunft und Verpflegung.
  • Bibliothek und Archiv unseres Theologischen Seminars bieten zahlreiche Studien- und Vertiefungsmöglichkeiten.

Unsere Fachstelle für Theologie und Geschichte des Täufertums ist dabei die ideale Anlaufstelle für all diese Fragen und Themen.

Immer wieder kommt es dabei zu interessanten Kontakten und Begegnungen. Zu ihnen gehören oft auch Besucherinnen und Besucher aus Nordamerika. Es sind Nachkommen ausgewanderter oder auch ausgeschaffter Täuferinnen und Täufer auf der Suche nach ihren eigenen Wurzeln. 

Manche haben heute mit Kirche und Glaube zwar nichts mehr am Hut. Aber indem sie sich ihrer eigenen Geschichte stellen, kommen diese Themen plötzlich wieder auf den Tisch. Dabei ergeben sich bisweilen spannende Diskussionen, und hin und wieder auch bewegende Momente.

weiler

Der Weiler Mützlenberg bei Rüderswil im Emmental, jahrzehntelang Wohnort zahlreicher täuferischer Familien (Widmer, Lüthi, Ellenberger, Wälti etc.), die später vertrieben und ausgeschafft worden oder weggezogen sind.

Andere Gäste sind noch heute Mitglieder in täuferisch-mennonitischen Kirchen. Viele verbinden mit ihrer Reise in die Schweiz den Wunsch, den Glauben ihrer Vorfahren auch für die eigene Gegenwart fruchtbar zu machen.

Eben gerade weilte eine Pastorenfamilie aus Indiana (USA) im Rahmen einer Sabbatzeit einige Tage auf dem Bienenberg. Konfrontiert mit den schwierigen Erlebnissen von Flüchtlingen aus Lateinamerika in ihrer Mennonitengemeinde zuhause, gingen sie auf Spurensuche in den Migrationsgeschichten ihrer eigenen täuferischen Vorfahren aus Zürich und Bern. Und plötzlich berührten sich der Schmerz durch den Verlust von Heimat und Freunden von damals mit den aktuellen Geschichten der Flüchtlinge aus Mexiko von heute.

heimatschein

Heimatschein von Ulrich Moser aus Rüderswil – ein zentrales Dokument für seine Kinder anlässlich ihrer späteren Auswanderung in die USA.

Besonders bewegend ist es natürlich, wenn ich als Kontaktperson und Begleiter solcher Gästegruppen Dokumente vorlegen kann, welche die Geschichte ihrer eigenen Vorfahren illustrieren. Höhepunkte stellt es dar, wenn ich sie auf denjenigen abgelegenen Bauernhof im Oberland, Emmental oder Jura führen kann, an dem vor langer, langer Zeit ihre Urururgrosseltern gelebt und gearbeitet, gehofft und gebangt, geglaubt und gelitten hatten.

Hier berühren sich Geschichte und Gegenwart auf bewegende Weise, und hier kann es geschehen, dass längst Vergangenes plötzlich eine prägende Kraft zu entfalten vermag, die bei der Gestaltung von Zukunft zu motivieren und zu inspirieren vermag.

Hanspeter Jecker

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Über Hanspeter Jecker

Studium der Geschichte in Basel (lic. phil.) und der Theologie in den USA (MA in Theology, Associated Mennonite Biblical Seminary, Elkhart IN). Promotion (Dr. phil.) an der Universität Basel mit der Arbeit: Ketzer - Rebellen - Heilige: Das Basler Täufertum von 1580-1700. Seit 1982 unterrichtet er am TS Bienenberg als Dozent für Historische Theologie und Ethik. Daneben arbeitet er an diversen Forschungsprojekten zum Täufertum und ist Präsident des Schweizerischen Vereins für Täufergeschichte. Er ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.

Ein Gedanke zu “Migrationsgeschichten von damals und heute

  1. Hello Hanspeter,

    I would like to discuss by phone the possibility of your being available several days in the first week of September to conduct some tours of Anabaptist sites in Switzerland. There are three of us, so we can rent a car for you to accompany us, or we willl be glad to pay you additional if you use your vehicle.

    We would also be interested to visit a Mennonite owned cheese factory and a vineyard, if that can be arranged.

    15 years ago my family stayed in a guest house with a Mennonite family which had a diary herd near Bern. I have lost their contact information.

    My email is wilmerotto1@gmail.om.
    My cell phone for text messages or phone calls is 1-217-721-9266.

    Sincerely
    Wilmer
    My phone number is

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